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17. Mai 2026    |     Hendrik Meyer

300.000 Besucher, ausverkaufte Konzerte und ein Protest, der gehört wurde

54. INTERNATIONALES DIXIELAND FESTIVAL DRESDEN zieht positive Bilanz

Rund 300.000 Besucher bis Sonntagmittag, nahezu ausverkaufte Konzerte und ein Festival, das sich auch unter schwierigen Bedingungen behauptet hat: Das 54. INTERNATIONALE DIXIELAND FESTIVAL DRESDEN zieht eine positive Bilanz. Vom 10. bis 17. Mai 2026 verwandelte sich die sächsische Landeshauptstadt erneut in die Welthauptstadt des Traditional Jazz.

Starkes Programm, lebendiges Publikum

44 Bands und Solisten aus acht Nationen, 58 Bühnen und knapp 275 Stunden Live-Musik: Das Festival setzte in seiner 54. Ausgabe ein deutliches Zeichen für die Vitalität des Traditional Jazz. Das Programm reichte vom Late-Night-Konzert bis zur großen Gala, vom Kinderprogramm bis zur Partynacht im Stil der Roaring Twenties, vom kostenlosen Freiluftauftritt bis zum exklusiven Clubformat mit nur 80 Plätzen. Traditional Jazz als Volksmusik im besten Sinne: zugänglich für alle, anspruchsvoll für jeden.

Die eintrittspflichtigen Konzerte waren nahezu ausverkauft. Bei den kostenfreien Veranstaltungen, auf die mit 141 Stunden fast die Hälfte des gesamten Musikprogramms entfiel, zeigte sich ein differenziertes Bild: Am Himmelfahrtsdonnerstag und Freitag blieben die Besucherzahlen leicht hinter den Erwartungen zurück. Kühle Temperaturen, Regenschauer und der Wind der Eisheiligen hinterließen ihre Spuren im Freiluftprogramm. Am Samstag und bis Sonntag Mittag war die Jazzmeile dafür an allen sieben Bühnen sehr gut besucht.

Musikalische Highlights

Das diesjährige Festival setzte musikalisch neue Maßstäbe. In vielen Veranstaltungen wurden die Bands gefeiert, die anschließenden Sessions standen dem in nichts nach. Solistisches Können, durchdachte Arrangements und Präsenz auf der Bühne erreichten nach Einschätzung vieler Besucher ein besonders hohes Niveau. Das Dresdner Festivalpublikum gilt als erfahren und sachkundig. Wenn es so urteilt, hat das Gewicht.

Ein Höhepunkt war die Prohibitionsparty im Parkhotel Dresden. Über fünf Räume verteilt tauchte das Haus in die Welt der Roaring Twenties ein: drei Bands, Burlesque, ein Retro Dance Battle und eine inszenierte „Razzia", die das Parkhotel unversehens auf den Kopf stellte. Krönender Abschluss war die Prohibition Parade, das feierliche Zu-Grabe-Tragen des Verbots. Danach übernahmen die DJanes. Gefeiert wurde bis in den frühen Morgen.

Sunshine Brass aus Suhl erhielten während der Open-Air-Gala in der Jungen Garde den Preis „Publikumsliebling des Festivals". Die Auszeichnung überrascht kaum: Die Band feierte im April ihren 25. Geburtstag und ist seit 2006 festes Ensemble des Festivals. Auch in diesem Jahr waren die Musiker an allen acht Festivaltagen in Dresden und spielten insgesamt mehr als 24 Stunden. Als Stammbesetzung der Dixietram-Jazzrundfahrten durch die Stadt bewiesen sie einmal mehr: Sunshine Brass sind nicht „aus der Bahn" zu werfen.

Die Mama Shakers aus Frankreich gehörten bei ihrem zweiten Festivalauftritt erneut zu den gefragtesten Bands. Die Freude über das Wiedersehen in Dresden war auf beiden Seiten der Bühne deutlich spürbar.

Dan Popek übernahm kurzfristig die Konzerte von Ladyva, die krankheitsbedingt absagen musste, und hinterließ an mehreren Abenden einen bleibenden Eindruck. Der klassisch ausgebildete Pianist, im Jazz zu Hause, ließ große Werke der Klassik mit makelloser Technik erklingen und wechselte mitten im Stück fließend in eigene jazzige Improvisationen. Auch mit seinem Boogie-Woogie überzeugte er das Publikum. Mehrere seiner Abende endeten mit Standing Ovations.

Die „Riverboat-Shuffle" auf den historischen Raddampfern der Sächsischen Dampfschifffahrt zog erneut viele Besucher an die Elbe. Die Dixietram-Jazzrundfahrten mit Sunshine Brass waren begehrt: vier Fahrten, schnell ausgebucht. Die „Wohnzimmerkonzerte" in Hoppes Hoftheater Dresden-Weißig und der exklusive „Late-Night-Boogie" im Tresor unter dem Löwensaal machten deutlich, dass das Festival auch abseits der großen Bühnen funktioniert.

Zwei Vorstellungen des „Dixie-ABC", der Kinder-Mitmachrevue im Rundkino, waren ausverkauft. Unter dem Motto „Manege frei!" setzte ein Gastauftritt von André Sarrasani einen besonderen Akzent. Traditional Jazz als Erlebnis für die Jüngsten: Das Format gehörte auch in diesem Jahr zu den meistgefragten des Festivals.

Internationale Strahlkraft

Das INTERNATIONALE DIXIELAND FESTIVAL DRESDEN ist nicht nur wegen seiner Bands international: Auch das Publikum reist aus aller Welt an. Unter den Besuchern des diesjährigen Festivals befanden sich Gäste aus allen europäischen Ländern, aus den USA und aus Australien, darunter als weitgereiste Gäste des Jahres 2026 Julie und Bob Wilson aus Dubbo (NSW), die eigens für das Festival nach Dresden gekommen sind.

Festivalsprecher Hendrik Meyer zieht Bilanz: „Traditional Jazz ist keine verstaubte Musik für alte Leute. Das belegt das diesjährige Festival durch das durchweg positive Feedback eindrucksvoll, das nahezu ausverkauft war. Hochkarätige junge Bands und Solisten zeigen, dass der Stil bei jungen Menschen immer beliebter wird. Neue Formate öffnen Türen zu unserer Musik, ob in Tanzveranstaltungen oder Konzerten mit hohem Erlebnisfaktor. Wir sind auf dem richtigen Weg."

Jazzmeile bis zum Schlossplatz

Eine der erfreulichsten Entwicklungen war die Erweiterung der Dresdner Jazzmeile bis zum Schlossplatz. Bereits 2025 war diese Ausdehnung geplant, musste jedoch kurzfristig aus Sicherheitsgründen abgesagt werden. In diesem Jahr gelang die Umsetzung erstmals. Die Hauptbühne am Schlossplatz erwies sich als Glücksgriff: Internationale Besucher, die Dresden als Touristenziel bereisen, stießen dort teils zufällig auf das Festival und erlebten Traditional Jazz zum ersten Mal. Für die Stadt war das ein Gewinn: Das Festival wurde sichtbar als Teil dessen, was Dresden ausmacht.

Im vergangenen Jahr musste die Jazzmeile auf ein Minimum gekürzt werden, weil der Verein Terrorschutzmaßnahmen vollständig aus eigenen Mitteln hätte finanzieren müssen. In diesem Jahr stellte die Landeshauptstadt die Absperrungen selbst zur Verfügung. Für die SFV ist Terrorschutz keine Verhandlungssache: Es geht um die Sicherheit der eigenen Besucher. Die eintrittsfreien Veranstaltungen kosten den Verein einen guten sechsstelligen Betrag. Die Absperrungen allein hätten nach städtischer Entgeltordnung mit über 80.000 Euro zu Buche geschlagen. Hinzu kommt die institutionelle Förderung der Landeshauptstadt Dresden in Höhe von 36.000 Euro. Beides zusammen war die Voraussetzung dafür, dass die Jazzmeile in diesem Jahr in ihrer vollen Ausdehnung stattfinden und Dresden wieder sein gewohntes Festivalgesicht zeigen konnte.

Versammlung statt Parade

Der heutige Höhepunkt des Festivals steht am Nachmittag im Zeichen einer Premiere, die niemand gewollt hatte. Die Dixieland-Parade, seit 1978 der traditionelle Abschluss des Festivals, musste 2026 erstmals abgesagt werden, nicht aus künstlerischen oder finanziellen Gründen, sondern aus einem einzigen: Zeit. Die erste Antragstellung erfolgte Ende August 2025. Letzte behördliche Nachjustierungen von Auflagen erreichten den Veranstalter dennoch erst wenige Tage vor Festivalbeginn. Was acht Monate Zeit hatte, hätte längst fertig sein können. Eine operative Umsetzung war zu diesem Zeitpunkt ausgeschlossen.

Der Förderverein Jazztradition Dresden e.V. reagierte mit der Einladung zu einer Versammlung am Terrassenufer, zur selben Stunde und am selben Ort, mit Bands, die eigens für die Parade nach Dresden gereist waren. So setzt das Festival auch ohne Parade ein deutliches und hörbares Zeichen für den Traditional Jazz in Dresden.

Ausblick

Das 55. INTERNATIONALE DIXIELAND FESTIVAL DRESDEN findet vom Pfingstsonntag, 16. Mai, bis Sonntag, 23. Mai 2027 statt.

Das Festival 2026 in Zahlen

  • Besucher: 300.000 (bis Mittag)
  • Bands und Solisten: 44 insgesamt, davon 15 international (8 Länder), 18 national, 11 aus Dresden
  • Sonstige Mitwirkende: 18; aktive Teilnehmer ca. 400
  • Musik: 275 Stunden, davon 141 Stunden eintrittsfrei, 103 Stunden allein „Dresdner Jazzmeile"
  • Veranstaltungen: 50
  • Bühnen/Auftrittsplätze: 58